Samstag, 21. Februar 2026

OMR für digitalborn PDFs

OMR‑Software im Februar 2026 — Fokus: digital‑born PDF

OMR‑Software im Februar 2026 — Fokus: digital‑born PDF

Kurz: Für echte Vektor‑/digital‑born‑PDFs sind spezialisierte Tools deutlich überlegen; für Raster‑Scans braucht es OMR‑Engines mit starker Bildvorverarbeitung. Die Tabelle unten fasst die wichtigsten Produkte, typische Preise und Eignung für digital‑born PDFs.

Vergleichstabelle OMR-Software — Eignung für digital-born PDF . - nach Bekunden der Hersteller selbst (Preise: typische/ungefähre Angaben)
Tool Eignung digital-born Eignung Scan Preis (typ.) Plattform & Export Bewertung (Kurz)
PDFtoMusic Pro (Myriad) ★★★★★ ≈ €199 / $199 (Pro‑Lizenz) Desktop (Win/Mac/Linux); Export: MusicXML, MIDI, WAV Top für echte Vektor‑PDFs; sehr präzise MusicXML‑Exporte
PhotoScore & NotateMe Ultimate (Neuratron) ★★★★☆ ★★★★☆ Listenpreis ≈ $249 (US); Händler DE ≈ €369 Desktop (Win/Mac); Export: MusicXML, MIDI, WAV; Integration zu Sibelius/Finale Starker Allrounder; gut für digital-born und Scans
SmartScore 64 NE (Musitek) ★★★★☆ ★★★★☆ Vollversion ≈ €399 (Pro‑Edition) Desktop (Win/Mac); Export: MusicXML, MIDI, MP3, PDF Leistungsfähig bei großen Partituren; guter Bildeditor
ScanScore (Melody / Ensemble / Professional) ★★★☆☆ ★★★★☆ Jahreslizenzen  Professional ≈ €79 Desktop (Win/Mac) + Mobile App; Export: MusicXML, MIDI Gutes Preis‑/Leistungs‑Verhältnis; praktisch für Ensembles/Lehrer
capella-scan ★★★☆☆ ★★★★☆ Start ≈ €68; Vollversion ≈ €198 (Herstellerangaben) Desktop (Windows/macOS); Export: capella, MusicXML, MIDI, WAV/MP3 Optimal bei capella‑Workflow; solide Scan‑Nachbearbeitung
Audiveris (Open Source) ★★☆☆☆ ★★★☆☆ Kostenlos (AGPLv3) Desktop/Server (Win/Mac/Linux); Export: MusicXML Gut für Batch/On‑Premise; mehr Nacharbeit/Technikaufwand
Cloud‑OMR
Musescore 
★★★★★★★★  Abo‑Modell im Bundle mit anderen Leistungen Web / API; Export: MusicXML, MIDI (anbieterabhängig) Schnell und skalierbar; Datenschutz und Qualität variieren
Hinweis: Preisangaben sind typische/ungefähre Werte und können je nach Händler, Edition, Rabatt oder Währung schwanken. Sterne bewerten die Eignung speziell für digital-born (Vektor) PDFs bzw. für gescannte Raster‑PDFs; die Kurzbewertung fasst Praxis‑Eignung zusammen.

Test‑Set

  1. Gefundene PDF‑Quellen (IMSLP / CPDL) — Links und Besetzungsdetails

    • IMSLP208558‑WIMA.0542‑BWV228.pdf — „Fürchte dich nicht, ich bin bei dir“ (BWV 228, J. S. Bach) — Partitur (Motette für zwei gemischte Chöre, 8‑stimmig, a‑cappella mit Continuo‑Ausgaben in manchen Editionen). 

    • IMSLP443418‑PMLP366466‑op._138_Stabat_Mater‑Rheinberger.pdf — Stabat Mater, Op. 138 (Josef G. Rheinberger) — Vollpartitur; Besetzung: gemischter Chor (SATB), Streicher, Orgel (Orchesterbegleitung in Ausgaben); Ausgabe/Editor‑Hinweis auf IMSLP (Editor: Alexander Reuter, 2016).

    • IMSLP487687‑PMLP555888‑Rheinberger_CantusMissae_op109.pdf — Messe in Es (Cantus Missae), Op. 109 (Josef G. Rheinberger) — Dirigierpartitur / Messe‑Partitur; Besetzung: doppelchörig SATB/SATB (Coro doppio), 

    • Mendelssohn_Ps42_Coro.pdf — „Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser“ (Psalm 42, Op. 42, Felix Mendelssohn) — Komplettpartitur / Chor‑ und Orchesterpartitur; Besetzung: Soli (Sopran), gemischter Chor, Orchester 

    Diese vier Testfälle sind bewust aus unterschiedlichen Quellen gewählt und enthalten für die Erkennung schwierige Passagen. Alle sind vier sind aber digitalborn.


Bewertungsmethode (kurz)

  • Erkennung — wie viele Noten/Zeichen werden korrekt erkannt (Tonhöhe, Rhythmus, Artikulation, Lyrics).
  • Korrekturaufwand — geschätzte Zeit, um ein brauchbares, editierbares Ergebnis zu erhalten (pro Seite). Kategorien: gering (~2–5 min), moderat (5–20 min), hoch (20–60+ min).
    Dieser Punkt ist hier der Relevante. Es geht nicht um eine minutiöse Registrierung aller Fehler im Detail sondern um eine Einschätzung, welches OMR mit Fokus auf digitalborn PDFs hier den geringsten Korrekturauswand generiert.
  • Workflow‑Eignung — Exportformate, Integration in Notensatzprogramme, Batch/Automatisierung, Datenschutz (lokal vs. Cloud).
  • Fazit — praktischer Einsatzfall.

Produkt‑Kurzbewertungen (jeweils: Erkennung | Korrekturaufwand | Fazit)

PDFtoMusic Pro (Myriad)

Hier der klare Klassenbester. Die Musicxml Exporte (im Testmodeus nur eine Seite) haben durchgängig korrekte Stimmbezeichnungen, dass das Instrument immer Kontraalt ist und damit diverse hohe und tiefe Töne in Musescore wegen des ererbten Tonumfangs rote und grüne Farbe erhalten ist schnell behoben

Eines der XML wurde als korrumpiert gemeldet mit gerade mal zwei unvollständigen Takten. Alle Tenorschlüssel richtig erkannt - eine erwähnenswerte Seltenheit unter den OMR Programmen. Insgesamt sehr wenig zu korrigieren.


  • Erkennung (digital‑born T1/T3): Sehr präzise bei echten Vektor‑PDFs; übernimmt Layout‑Elemente, Lyrics und viele Textobjekte zuverlässig. 
  • Korrekturaufwand: Gering bis moderat bei digital‑born PDFs (meist nur Layout‑Feinheiten). Bei Raster‑Scans nicht anwendbar
  • Fazit: Erste Wahl, wenn du ausschließlich digital‑born PDFs verarbeitest; liefert die saubersten MusicXML‑Exporte. Preis/Leistung für diesen Anwendungsfall sehr gut. 

PhotoScore & NotateMe Ultimate (Neuratron)

Photoscore zerlegt jedes PDF in ein PDF pro Seite, der Lupen-View legt nahe, das diese aber in Raster umgewandelt werden. Das ist für den hier betrachteten Fokus aber nicht ideal, weil vorhandene Auflösungs-Qualität bei diesem Übergang verworfen wird. Tenorschlüssel werden mit wenigen Ausnahmen als normale Violin-Schüssel erkannt, Punktierungen in großer Menge nicht erkannt. Pausen in sonst leeren Takten werden auch in großer Menge nicht erkannt.


Anders als bei Audiveris, werden zumindest die Punktierungsfehler deutlich rückgemeldet und können direkt angesprungen werden.


Mehrtaktpausen werden und Taktarten werden nicht sicher erkannt. Auflösungszeichen schon mal zur Pause gemacht




Taktnummern werden nicht getreu umgesetzt. Im gewissen Rahmen können in dieser Fenstersicht - oben Original - unten erkannte Note - auch Korrekturen vorgenommen werden. Die UI ist halbwegs aktuell. Das Ergebnis liegt im vorderen Mittelbereich.

  • Erkennung: Sehr gut für saubere Scans und solide bei digital‑born PDFs; unterstützt Lyrics, Tabulatur, mehrere Stimmen. Hersteller nennt hohe Genauigkeit dank Dual‑Engine. 
  • Korrekturaufwand: Moderat bei komplexen Partituren; gering bei sauberen digital‑born PDFs. 
  • Fazit: Starker Allrounder für gemischte Workflows (digital‑born + Scan). Gute Integration in Profi‑Notensatzprogramme; lohnt sich bei regelmäßigem Einsatz. 

SmartScore 64 NE (Musitek)

Smartscore konvertiert auch die gewählten PDFs in mehrseitige TIFF-Dateien, also Rastergrafiken, die ungefragt dort wo das PDF geladen wurde als Datei mit durchaus nennenswerte Größe, wie von solchen Bitmaps mit einer Auflösung von 350dpi zu erwarten ist.



Tenorschlüssel werden in der Mehrheit nicht erkennt, genauso Mehrtaktpausen und Punktierungen, was je nach Satz zu einer Vielzahl von Taktfehlern führt, die einzeln manuell korrigiert werden müssen.

Recht unerwartet ist, das OCR auch Probleme macht und zu einer weiteren Quelle von vielen Einzelfehlern führt die bei der Nachkorrektur Zeit benötigen. In der Menge ist das eher ein Alleinstellungsmerkmal unter den OMR-Produkten. Beispielsweise wurde die lateinische Silbe "fac" regelmäßig als "RAC" transkribiert wurde - ungewöhnlich und nicht erklärbar.

Auch das Worte die mehrfach korrekt erkannt wurden, plötzlich in g e s p e r r t e r Form transkribiert werden, was die Vorlage nicht hergibt, überrascht.

Alles in allem liegen die Ergebnisse damit eher im hinteren Bereich vor allem wegen des generierten Korrekturaufwands. Beim Preis liegt das Produkt allerdings weit vorne.

  • Erkennung: Sehr leistungsfähig bei gedruckten/gescannten Partituren; integrierter Bildeditor hilft, Erkennungsrate zu erhöhen. Gute Lyrics‑Erkennung. musitek.de MUSITEK
  • Korrekturaufwand: Moderat bis hoch bei sehr komplexen Layouts; moderat bei digital‑born PDFs. MUSITEK
  • Fazit: Besonders geeignet für große Partituren und Orchester‑Workflows; Profi‑Funktionen rechtfertigen höheren Preis. MUSITEK

ScanScore 3 (Professional)

Die UI gehört eher zu den Aufgeräumten und Übersichtlichen dieser Produktgruppe. Wie schon bei anderen Produkten als Drawback angesprochen wird auch hier das Vektor-PDF in Rastergrafiken konvertiert, unerwarteterweise in das alte und wenig Platzsparende Format BMP.
In einer automatisch gesetzten Auflösung von 2539x3568 also etwa 300dpi auf A4 gerechnet.
Erwähnenswert ist, das Produkt in der Erkennungsphase öfter mal abstürzt, und dann das Programm auch kommentarlos beendet. Zwei der vier Testpdfs wurden erst im zweiten Versuch nach einem Absturz erkannt. Beim Cantus Missae wurde auch eine völlig erratische Zeile an Liedtext erkannt.



Dieser Satz brachte das Produkt auch aus unbekannten Gründen an deine Grenzen. erkannte Notenseiten und BMPs wurden völlig wir einander zugeordnet, Akkoladen mit 8 Systemen der durchgängig doppelchörigen Motette wurden seitenweise zerteilt als seien sie in den Reißwolf geraten, Beim zweiten Versuch reproduzierte sich nur der erratische Text. Die Akkoladen sahen aber etwas besser aus.

Mit nur zwei von vier Testpdfs die überhaupt nur sehr mäßig brauchbar und zwei komplett unbrauchbar landet das Produkt weit auf den hinteren Plätzen. Der Preis hier für Jahreslizenzen, bringt einen auf die Idee, das Leistung hier umgekehrt proportional zum Preis sein kann.

  • Erkennung: Sehr gut für typische Scan‑PDFs und Lead‑Sheets; digital‑born PDFs werden akzeptabel verarbeitet, aber nicht so präzise wie PDFtoMusic. ScanScore
  • Korrekturaufwand: Gering bis moderat für einfache bis mittlere Partituren; bei sehr komplexen Partituren steigt der Aufwand. ScanScore
  • Fazit: Gutes Preis‑/Leistungs‑Verhältnis, besonders für Ensembles, Chorleiter und Lehrende; mobile App‑Workflow praktisch. ScanScore

Capella‑scan

Doch unerwartet, präsentieren sich die Ergebnisse des etablierten Produktes Capella-Scan hier eher weit hinten, mit einer ganzen Reihe von Schwächen, die einen erhöhten Korrekturaufwand nach sich ziehen, bis hin zur teilweisen Unbrauchbarkeit.

Durchweg alle von CapellaScan ausgeworfenen musicxml werden von musescore und auch generischen XML Addins von Visual Studio Code als korrumpiert gemeldet. Das validieren einer XML Datei gegen seine innenliegend denotierte Bauvorschrift, das DTD ist kein Hexenwerk. Eher ein zu erwartendes Minimum.


Übrigens auch der Capella Reader sah dieses Problem nicht anders, und wollte nicht eines der musicxml von CapellaScan öffnen, was Musescore noch kulanter handhabte.



Als interessante Anekdote ist zu vermerken, das die aktuelle CapellaScan Version gegen den Bach, die einzige Datei die nachweisbar von Capella erzeugt wurde einen Absturz lieferte und eine ältere Version von Capella schaffte es dann ein musicxml zu generieren.
OCR des Liedtextes stellte ein durchgehendes Problem dar, gesperrte Worte zuhauf die alle einzeln korrigiert werden müssen, erzeugen einen hohen Nachbearbeitungsaufwand.

Die Motette wechselt ab T,78 von SATB SATB auf SATB also 8-stimmig auf 4-stimmig, was capellaScan völlig aus der Spur warf, die Akkolade zerlegte ich völlig, Seitenweise nur noch mit leeren einzelnen Sopranzeilen je Takt. Die Stimmen kamen dann auch nicht mehr gleichzeitig ins Ziel.

Hier zum Vergleich wie das Ende der Motette in der Vorlage aussieht. Beachtenswert das auf die Strecke auch 42 Takte hinzufabuliert wurden von CapellaScan.

Dieser Satz ist im Prinzip irreparabel beschädigt. Totalschaden, wenn das Neu-Eingeben from Scratch weniger aufwendig ist, als die Korrektur.

Hier zum Vergleich nochmal die selbe Stelle wie sie von pdftomusic pro von Myriad in musicxml exportiert und im CapellaReader angezeigt:



  • Erkennung: Solide bei gedruckten Noten; optimiert für capella‑Workflow und Übernahme von Text/Lyrics. - laut Capella.
  • Korrekturaufwand: Moderat; Nachbearbeitung in capella ist effizient. 
  • Fazit: Sehr sinnvoll, wenn du capella als Notensatzprogramm nutzt; gutes Preisniveau für gelegentliche bis regelmäßige Scan‑Arbeit. 

Audiveris (Open Source)

  • Erkennung: Gut für gedruckte Scans; Engine ist robust, aber erfordert oft manuelle Nachbearbeitung; eignet sich für Batch/Server‑Pipelines. Github audiveris.github.io
  • Korrekturaufwand: Moderat bis hoch je nach Scanqualität; Vorteil: lokal, skriptbar, kostenlos. Github audiveris.github.io
  • Fazit: Beste Wahl für automatisierte, datenschutzsensitve oder kostenfreie Batch‑Workflows; nicht so „out‑of‑the‑box“ komfortabel wie kommerzielle Tools. Github audiveris.github.io

Cloud‑OMR‑von Musescore

    MuseScore bietet einen PDF‑Upload in Pro‑Plänen; viele Community‑Hinweise undM technische Quellen zeigen, dass Audiveris häufig als Engine in Web‑OMR‑Pipelines verwendet wird, aber MuseScore nennt die genaue Server‑Implementierung nicht immer offen. Audiveris ist eine verbreitete Open‑Source‑Engine mit aktiver Entwicklung und eignet sich für serverseitige Verarbeitung oder lokale gNutzun.

    Der Testangebot mit einer Woche freiem Testzeitraum galt nicht für Pro Abonenten, und musste mit einem Dummy User abgewickelt werden. Das kündigen innerhalb des Testzeitraum erforderte dann etwas an Sucherei

    Schwierig in der Handhabung ist, das man die Fehler suchen muss im erzeugten musicxml bzw. mscz und gerade Takte, die erkannt mehr oder weniger Schläge enthalten werden nur durch ein kleines grues + oder - kenntlich gemacht.>
    Rheinberges Cantus Missae wurde ohne differenzierte Rückmeldung nicht prozessiert.
    Ein XML wurde beim Öffnen mit Musescore als korrumpiert gemeldet, mit diversen unvollständigen Takten. Das muss nicht sein wie schon bemerkt bei CapellaScan. Die zwei anderen Sätze wären mit etwas Aufwand zu reparieren. Taktarten- und Tonartenwechsel wurden nicht erkannt. Bindebögen waren schon mal auf Abwegen. Die Art der Fehler spricht nicht direkt gegen die Vermutung, das da die Audiveris Engine am Werk ist mit OCR angereichert.
  • Erkennung: wechselhaft
  • Korrekturaufwand: Moderat; Vorteil: Geschwindigkeit und einfache Skalierung; Nachteil: Upload/Datenschutz.
  • Fazit: Wenn man eh über ein Pro+ Abo verfügt für Tests gut und wenn Datenschutz kein Problem ist; bei sensiblen Verlagsmaterialien Vorsicht.

Detailergebnisse


Quellen (Auswahl der wichtigsten Referenzen)




Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen